Prora


Deutschland 2005

02.11.2005 Vormittag
Von Wien nach Berlin, 11 Stunden Bahnfahrt, über Nacht, für jemanden der auch im Auto perfekt schlafen kann, kein Problem, das Zuggeräusch schläfert mich sofort ein, aufwachen – regelmäßiger Seiten/ Schlafstellungswechsel inkludiert. Die 11 Stunden also eigentlich kaum mitbekommen, was die lange Distanz wieder schrumpfen lässt.
Auch die 2 Stunden warten am Ostbahnhof gehen im Flug um.
Und die jetzige Zugfahrt kann ich auch richtig genießen, aus dem Fenster schauen, eine Zigarette rauchen, mich im nahezu leeren Abteil umschauen.
Richtig gemütlich.
3 Stunden bis zum Umsteigen in Stralsund.
Der Zug ist echt ziemlich leer und die wenigen Mitfahrenden steigen von Station zu Station aus.
Die Landschaft ist recht karg, die Bahnhöfe unterwegs und die Orte durch die wir fahren wirken menschenleer. Alles total verlassen, nur ein paar alte Menschen auf den Straßen. 4 Rehe habe ich auch schon gesehen, ein paar Kühe.
Eine Fahrt ins Leere, Niemandsland.

02.11.2005 Abend
Ich war ja schon viel unterwegs, aber vergleichbar ist das alles hier mit keinem bisherigen Urlaub.
Schon die Fahrt …
An der Station Prora war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich wirklich hier her will.
Das Oneworldcamp nirgends angeschrieben, außer Gleisen, Wald und ein paar geparkten Autos nicht viel zu sehen.
Die Schilder, die auf Prora hinweisen, wirken, als ob sie seit Jahren hier stehen würden, obwohl es schon lange nicht mehr existent ist.
Hoffnungsschimmer dann doch ein paar Radfahrer.
Die Straße vom Bahnhof zum KDF auch recht beklemmend.
Schafft alles ein seltsames Gefühl, ein wenig unsicher, beängstigend.
Prora ist wirklich hässlich.
Vorm Oneworldcamp vor geschlossenen Türen.
Zumindest eine Telefonnummer angeschrieben – Sie sind derzeit im Notbetrieb.
Ich denke ich bin der einzige Gast… Auf meine Frage ob dem so ist – nur die Antwort – da musst du jetzt durch. Bekomme noch den Hausschlüssel in die Hand gedrückt und bin allein.
Mein Zimmer ist recht groß, eine Sitzbank, 2 Betten, ich nehme an original NVA Inventar.
Das gesamte Gebäude ist auch innen sehr kühl und beängstigend. Mein Ausblick geht auf einen leerstehenden Teil des Gebäudes, Absperrungen und zerschlagene Fenster.
Einladend ist hier nichts.

Esse gerade Schmorkohl mit Salzkartoffeln. Großes Bier. Bin allein im Lokal.
Kellnerin sieht mich immer seltsam an, beobachtet mich und ich kann genau die Frage in ihren Augen lesen – was macht die da? Was mache ich eigentlich wirklich hier?



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